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Donnerstag, 26. Mai 2011

Chancen nutzen: freiwilliges Engagement in Sachsen stärken – 48-Stunden-Aktion als Paradebeispiel

Ein bundespolitisches Thema wirft seine Schatten voraus: Das Aussetzen der allgemeinen Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 und der gleichzeitige Wegfall des Zivildienstes. Die dadurch entstehende Herausforderung, nicht nur über den neuen Bundesfreiwilligendienst (BFD) den Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes die Möglichkeit zu geben, verstärkt soziale Verantwortung zu übernehmen, sollten wir nicht nur in Sachsen als eine Chance betrachten.

Die Besonderheit des Bundesfreiwilligendienstes besteht darin, dass dieser nicht nur für junge Menschen zugänglich ist, sondern auch ältere Generationen daran teilhaben können. Wegen der demografischen Prognosen ist dieser Schritt vor allem in Bezug auf die Entwicklungen im ländlichen Raum notwendig und folgerichtig. Bundesweit werden für den BFD zukünftig 35.000 Stellen zur Verfügung stehen. In diesem Zusammenhang findet ein Ausbau der durch den Bund geförderten Stellen des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) und des Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) von 25.000 auf ebenfalls 35.000 Stellen statt. Mit der Einführung des BFD wird ein sehr vielfältiges, freiwilliges Engagement möglich sein: im sozialen, ökologischen, sportlichen, integrativen oder kulturellen Bereich.

Bei den Haushaltsverhandlungen im vergangenen Jahr haben wir auch für den Freistaat Sachsen die Weichen eindeutig in Richtung Aufwertung der Freiwilligendienste gestellt: So finanzieren wir im Jahr 2011 777 FSJ-Stellen mit insgesamt 1,4 Millionen Euro. Hinzu kommen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) noch jährlich 170 FSJ-Stellen für benachteiligte Jugendliche und weitere 300 FÖJ-Stellen.

Grundsätzlich müssen wir aber auch gesellschaftspolitisch weiterhin das Ansehen der freiwilligen Dienstleistung stärken, beispielsweise über die Anrechnung von Wartesemestern bei Studenten oder über die Anerkennung bei einer späteren Berufsqualifikation. Der Freistaat Sachsen ist in der Pflicht, über Werbemaßnahmen, wie zum Beispiel eine Imagekampagne, auf das freiwillige Engagement aufmerksam zu machen und es für jedermann - alt und jung - attraktiv auszugestalten.

In den letzten Wochen und Monaten erlebte ich hautnah, wie sich die Menschen auch in Dresden für andere eingesetzt haben. Im Zuge unserer „Spendenaktion für Leopold“ waren es vor allem die vielen fleißigen Helfer, die ein Benefizspiel überhaupt erst ermöglichten. Jene sind es auch, die neben ihrer Berufstätigkeit tagtäglich Kinder in (Sport-)Vereinen betreuen, ihnen eine sinnvolle Freizeitgestaltung bieten und wesentlich zur Ausprägung sozialer Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Fairness beitragen.

Ein aktuelles Beispiel für das „junge Ehrenamt“ ist die diesjährige 48-Stunden-Aktion der Sächsischen Landjugend e.V. Dazu fand am 19.05.2011 im MDR-Landesfunkhaus in Dresden die offizielle Auftaktveranstaltung statt. Dafür haben die jugendpolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Landtagsfraktionen aller demokratischen Parteien in Sachsen (außer der NPD) einen Schirmherrschaftsverbund gebildet, um die Jugendlichen bei der Ausübung ihres Ehrenamtes zu unterstützen.

Bereits das sechste Mal fand die 48-Stunden-Aktion in Sachsen statt. An einem Aktionswochenende werden innerhalb von zwei Tagen verschiedene gemeinnützige, soziale, ökologische oder (inter-)kulturelle Projekte in den jeweiligen Orten in Sachsen von den Jugendlichen selbst umgesetzt – von Renovierungs- und Malerarbeiten, über kleinere Baumaßnahmen, bis hin zur Planung und Ausgestaltung von Dorffesten. Nach den Aktionen haben die jungen Menschen sowohl ein eigenständiges Projekt umgesetzt als auch viel über soziale Kompetenzen, wie z. B. Teamarbeit, gelernt. Diese Erfahrungen werden sie auch in Zukunft gewinnbringend nutzen können.Vom 20. bis 22. Mai 2011 engagierten sich circa 2.500 Jugendliche in 180 Projekten dafür, ihren Heimatort auf Vordermann zu bringen. Sie stellten sich Herausforderungen, halfen dort, wo Hilfe gebraucht wurde. Die Aktionen schaffen nicht nur etwas Bleibendes für den Heimatort, sondern auch für die Jugendlichen selbst. Denn neben der eigentlichen Durchführung der Arbeiten, waren die Beteiligten vor allem bei der Planung und Organisation ihrer Projekte und der dafür notwendigen Materialien stets eingebunden und eigenverantwortlich tätig. Vor dem Hintergrund des demografischen Umbruchs in den nächsten Jahren, ist es sehr wichtig, diese Tugenden der Zivilcourage, des Füreinander-Daseins gerade im ländlichen Raum zu fördern und zu stärken!

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